Erste Hilfe beim Hund

Fast jeder Hundehalter hat es schon einmal erlebt, dass sich der Hund einen Ballen aufgeschnitten hat. Gerade wenn wieder die Temperaturen steigen, sind mehr Hundebesitzer unterwegs, sodass das Risiko von Bissverletzungen steigt. Es liegt allerdings auch mehr Müll in Parks und auf Wiesen. Die Gefahr, dass sich Hunde an Glasscherben oder anderen scharfen Gegenständen verletzen, nimmt zu. Doch was ist zu tun, wenn sich mein Hund verletzt? Was sind die häufigsten Verletzungen und wann liegt ein Notfall vor?

Wann liegt ein Notfall vor und wann muss ich sofort zum Tierarzt?


„Ein Notfall ist eine akute lebensbedrohliche Situation, in der ein unmittelbares Eingreifen zur Erhaltung der Lebensfunktionen notwendig ist. Das kann eine schwere Verletzung, eine Vergiftung oder ein lebensbedrohlicher Erkrankungszustand (z. B. Parvovirusinfektion bei Welpen, Magendrehung) sein“, weiß Dr. med. vet. Volker Jähnig, Fachtierarzt für Kleintiere, Zier-, Zoo- und Wildvögel. Auch bei starken Blutungen, arteriellen Verletzungen, Herz- und Atemstillstand handelt es sich um Notfälle, bei denen sofort ein Tierarzt aufzusuchen ist.

Bei harmloseren Verletzungen reicht es aus, im Laufe des Tages einen Tierarzt hinzuziehen. Dazu zählen kleine Schnittverletzungen, die nicht stark bluten oder leichtes Lahmen. Zeigen Hunde Schmerzreaktionen, zum Beispiel durch Bisswunden oder Frakturen, muss kein lebensbedrohlicher Zustand vorliegen. Dagegen können ungewöhnliche Ruhe, ein flacher Puls, geweitete Pupillen oder blass-graue Schleimhäute, als Folge eines Schockzustandes, lebensgefährlich sein. Daher müssen die Reaktionen von Hunden bei Verletzungen genau beobachtet werden. Auch „ein Insektenstich im Fangbereich mit der Gefahr einer Schwellung der Luftwege“ ist lebensgefährlich, sagt Tierarzt Dr. med. vet. Volker Jähnig.

Häufige Verletzungen bei Hunden und was als Erstes zu tun ist


Welche Verletzungen Hunde am häufigsten haben, weiß Tierarzt Dr. Jähnig durch seine Praxiserfahrung seit 1991: Das sind „Bissverletzungen, Autounfälle mit leichten (Hautverletzungen), mittelschweren (Frakturen der Gliedmaßen, der Rippen und am Kopf) und lebensgefährlichen (Wirbelsäulenverletzungen, Lungenverletzungen, Blasenruptur, innere Blutungen) Verletzungen sowie Ballenschnittverletzungen durch Glasscherben“.

Zunächst gilt es Ruhe zu bewahren und zu beurteilen, ob ein Notfall vorliegt. Gegebenenfalls muss der Hund schnell aus einer Gefahrensituation gebracht werden. Sinnvoll ist auch die Telefonnummer des Tierarztes im Handy einzuspeichern. „Wichtig ist, mit dem Haustierarzt abzusprechen, was im Notfall zu tun ist und wann er erreichbar ist. Der Tierarzt wird auch Hinweise geben, wohin man sich wendet, wenn er nicht erreichbar ist. Da Hunde, besonders bei Schmerzen, nicht ‚gerettet‘ werden wollen, ist Vorsicht vor Bissen angebracht und notfalls eine Fangschlinge anzubringen“, rät Tierarzt Dr. Volker Jähnig. Je nach Art der Verletzung muss dann weiter vorgegangen werden.

Die Kreislaufsituation von Hunden beurteilen


Um die Kreislaufsituation von Hunden zu beurteilen, legt man die Hand auf die Innenseite des Oberschenkels beim Hund. Dort lässt sich der Puls leicht fühlen. Dieser liegt in der Regel bei 70 bis 160 Schlägen pro Minute. Dr. Jähnig empfiehlt die Pulsmessung mehrmals beim gesunden Hund zu üben, um im Notfall eine Veränderung feststellen zu können.

Ein weiterer Hinweis ist die Durchblutung der Lefzen und ihre Farbe. Dafür können Hundebesitzer einfach die Lefze des Hundes hochziehen und die Farbe beurteilen. Normal ist eine blassrosa Schleimhaut. Abweichungen, wie blasse Schleimhäute, deuten auf einen Blutmangel hin. Sind sie eher bläulich, kann Sauerstoffmangel vorliegen. Dunkelrote Schleimhäute können unter anderem auf einen Hitzschlag hindeuten.

Außerdem ist es wichtig, die Körpertemperatur des Hundes mittels Fieberthermometer rektal zu messen. Normal ist eine Temperatur von 38,0 bis 39,0 °C. „Erst bei Temperaturen über 40,5 °C ist von einem gefährlichen Fieber auszugehen. Ist die Temperatur unter 38,0 °C, leidet der Hund an Untertemperatur. Das ist viel gefährlicher und kann ein Hinweis auf eine lebensbedrohliche Situation sein“, sagt der Kleintierarzt Dr. med. vet. Volker Jähnig. In diesem Fall ist der Hund sofort warm zu legen und ihm durch den Tierarzt eine angewärmte Elektrolytlösung zuzuführen.

Eine häufige Verletzung: aufgeschnittener Ballen und was zu tun ist


Fast jeder Hundebesitzer hat es schon erlebt, dass der Hund nach dem Spaziergang oder einem Spiel mit einer verletzten Pfote zurückkommt. In diesem Fall kann der Halter selbst gut erste Hilfe leisten. Mit Verbandsmaterial wird ein straffer Notverband angelegt, „der die Blutung stoppt und die Verletzung vor Dreck schützt. Besonders zu achten ist dabei auf eine Polsterung der Zwischenzehenräume mit Watte, um ein Wundscheuern der Haut zu vermeiden“, rät Dr. Jähnig. Auch dies kann man zu Hause einmal am gesunden Hund üben, um in einer Stresssituation die Handgriffe im Kopf zu haben.

Weitere Tipps rund um die Erste Hilfe beim Hund


Auf Hundeausstellungen, auf Hundeplätzen und bei Wettkämpfen „sollte eine Liste mit erreichbaren Kleintierpraktikern ausliegen – noch besser ist eine Absprache mit einer Praxis über deren Erreichbarkeit in Notfällen nach Dienstschluss oder an Wochenenden bei Veranstaltungen“, empfiehlt Tierarzt Dr. med. vet. Volker Jähnig.

Des Weiteren ist es ratsam, am gesunden Hund in stressfreier Atmosphäre für den Notfall zu üben. Dazu zählen Fieber messen, den Herzschlag und Puls prüfen, die Schleimhäute beurteilen und einen Verband anlegen. So kann der Hundehalter im Ernstfall einen klaren Kopf bewahren. In Stress zu verfallen, würde nämlich auch den Hund weiter verunsichern, was eine Behandlung noch schwieriger machen würde. Um vorbereitet zu sein, sollte außerdem jeder Hundebesitzer eine kleine Notfallapotheke zu Hause bzw. im Auto haben.

Der Erste Hilfe Koffer für zu Hause


  • Verbandsmaterial (Mullbinden, selbstklebende Verbände, Verbandswatte und Pflasterklebeband)
  • digitales Fieberthermometer
  • Schere mit abgerundeter Spitze, Zeckenzange, Pinzette
  • Wunddesinfektionsmittel, Händedesinfektion, Einmalhandschuhe
  • Maulkorb oder Maulschlinge
  • Eine Decke (aber keine Rettungsdecke)
  • Stauschlauch und feste Schiene


Erste Hilfe beim Hund - Infografik


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