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Giardien beim Hund: Symptome, Ansteckung und Behandlung

Giardien sind einzellige Dünndarmparasiten, die hochansteckend sind und schwere Durchfälle verursachen können. Problematisch ist, dass die Parasiten sehr widerstandsfähig sind. Was für eine erfolgreiche Behandlung entscheidend ist und was du alles dafür tun kannst, erfährst du in diesem Artikel.

Inhaltsverzeichnis

Giardien bei Hunden: 7 Fakten auf einen Blick

Was sind Giardien?

Giardien sind einzellige Dünndarmparasiten, die weltweit vorkommen und verschiedene Tierarten befallen können.

Giardienbefall

Mit bloßem Auge kannst du die Parasiten, von denen über 40 Arten bekannt sind, leider nicht erkennen. Die Erkrankung, die durch Giardien ausgelöst wird, bezeichnet man als Giardiose:

Die Folgen für betroffene Hunde äußern sich in verschiedenerlei Störungen des Magen-Darm-Trakts:

Achtung: Da es sich bei einem Giardienbefall um eine Zoonose handelt, ist sogar die Übertragung auf den Menschen möglich, wenn auch selten. Vor allem für Kleinkinder und Menschen mit geschwächtem Immunsystem müssen du und deine Familie besondere Hygienemaßnahmen einhalten, wenn euer Hund betroffen ist.

Entwicklung und Vermehrung

Bei Giardien handelt es sich um Protozoen, also einzellige Parasiten. Die unterschiedlichen Giardien-Arten können auch andere Tierarten wie Katzen, Meerschweinchen, Igel oder Kaninchen befallen. Beim Hund tritt vor allem der Erreger Giardia intestinalis (auch Giardia lamblia oder Giardia duodenalis) auf.

Man unterscheidet zwischen zwei Stadien in ihrem Lebenszyklus:

Symptome

Hund-ist-krank

Vor allem Welpen, Junghunde, ältere Hunde und Hunde mit einem schwachen Immunsystem leiden unter den Folgen eines Giardienbefalls. Bei gesunden adulten Hunden kann der Parasitenbefall dagegen symptomlos verlaufen, das heißt, die Giardiose bricht nicht aus.

Treten Symptome auf, ist der schleimige oder schaumige, oft übelriechende, helle und wiederkehrende Durchfall das Hauptanzeichen für Giardien. Andere Symptome können jedoch ebenfalls hinzukommen:

Die Symptome können zwischenzeitlich abklingen und die Kotkonsistenz normalisiert sich wieder, bis die Symptome erneut ausbrechen. Stellst du die Anzeichen bei deinem Hund fest, solltest du unbedingt einen Tierarzt aufsuchen. Auch Hunde, die keine Symptome zeigen, aber dennoch einen Giardienbefall haben, solltest du behandeln lassen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.

Wichtig: Unbehandelt können sich die Giardien ungehindert vermehren und zunehmend die Nahrungsaufnahme stören, was das Immunsystem weiter belastet. Ist die Darmgesundheit einmal geschädigt, steigt die Anfälligkeit für andere Erkrankungen oder Parasiten.

Wie bekommt ein Hund Giardien?

Hat sich dein Hund mit Giardien infiziert, kommen mehrere Möglichkeiten als Ursache in Betracht.

Ansteckung

Übertragung

Es gibt eine Reihe an mehr oder weniger beeinflussbaren Faktoren, die eine Verbreitung und Übertragung von Giardien begünstigen können:

Da die Parasiten potenziell an verschiedenen Orten lauern und durch Hunde übertragen werden können, die keine Symptome zeigen, ist eine Vorbeugung für dich schwierig umzusetzen. Du kannst lediglich Stress bei deinem Vierbeiner vermeiden und sein Immunsystem stärken, etwa durch eine hochwertige Hundeernährung. Dies sind aber allenfalls flankierende Maßnahmen, weil man eine Giardieninfektion niemals komplett ausschließen oder verhindern kann.

Wie erkenne ich Giardien beim Hund?

Hegst du aufgrund der Kotkonsistenz und des -geruchs den Verdacht auf einen Giardienbefall, solltest du unbedingt eine Kotprobe von deinem Tierarzt untersuchen lassen. Sammle am besten während drei verschiedenen Spaziergängen den Kot deiner Fellnase ein. Denn nicht bei jedem Stuhlgang werden Giardien-Zysten ausgeschieden.

Tipp: Wenn du über mehrere Tage Kot sammelst, beachte bitte, dass dieser zwischendurch kühl gelagert wird und nicht älter als 3 Tage ist.

Mittlerweile können die Giardien mittels Schnelltests noch in der Praxis nachgewiesen werden:

6 Tipps, um Giardien wieder loszuwerden

Lass deinen Hund nicht mit fremdem Kot in Berührung kommen oder aus Pfützen trinken.

Besuche keinesfalls stark frequentierte Hundewiesen oder die Hundeschule, wenn sich dein Vierbeiner infiziert hat; am besten meidest du jeglichen Kontakt mit anderen Tieren und Menschen.

Hat sich ein Tier in deinem Haushalt infiziert, solltest du eine Reihe an Hygienemaßnahmen und Reinigungsarbeiten umsetzen. Da die sogenannten Zysten (das sind die fortpflanzungsfähigen Giardien) sehr widerstandsfähig sind, wird eine reine medikamentöse Behandlung wahrscheinlich nicht ausreichen, um deinen Hund von den lästigen Einzellern zu befreien.

Bleibe längere Zeit auf der Hut und beobachte deinen Hund genau, um etwaige Reinfektionen rechtzeitig erkennen zu können.

Ziehe den Besuch bei deinem Tierarzt selbst erworbenen Giardientests vor, weil negative Testergebnisse nicht immer korrekt sind.

Stelle die Ernährung deiner Fellnase auf kohlenhydratarmes Futter um und gib ihr zusätzlich Präbiotika zur Unterstützung.

Behandlung

Da die Zysten extrem widerstandsfähig sind, solltest du eine äußerst gründliche und über verschiedene Maßnahmen erfolgende Giardienbehandlung in Angriff nehmen; die Gefahr einer Reinfektion ist ansonsten einfach zu groß:

Medikamente

Für die Behandlung stehen dir verschiedene Medikamente zur Verfügung. Dein Tierarzt berät dich sicher gern dazu.

Wie lange dauert es, bis Giardien weg sind?

Halte die Vorgaben deines Tierarztes zur Dauer der Behandlung unbedingt ein. Setzt du die Medikamente frühzeitig ab, weil dein Hund keine Symptome mehr zeigt, setzt du ihn dem Risiko einer Reinfektion aus:

Nach ca. drei bis vier Wochen sollte die Infektion vorüber sein.

Hygienemaßnahmen

Giardien-illustriert

Deinen Hund lediglich medikamentös behandeln zu lassen, wird bei Giardien wahrscheinlich nicht ausreichen, weil er sich über seine Umwelt erneut anstecken kann. Für eine erfolgreiche Behandlung ist daher entscheidend, dass du die folgenden Hygienemaßnahmen einhältst:

  1. Reinige den Trink- und Wassernapf deiner Fellnase täglich mit kochendem Wasser.
  2. Spielzeug solltest du ebenfalls mit kochendem Wasser säubern oder in der Waschmaschine bei über 65° Celsius waschen.
  3. Hundebetten, -decken, -kissen und andere Textilien, mit denen dein Vierbeiner in Berührung kommt, solltest du auch bei mindestens 65° Celsius waschen.
  4. Wasche deinen Hund mit einem Hundeshampoo, insbesondere im Afterbereich, um dort anhaftende Giardien aus dem Fell zu entfernen.
  5. Reinige jegliche Oberflächen, die dein Hund berührt (u. a. auch die Transportbox), mit heißem Wasser und Desinfektionsmittel, das speziell gegen Giardien wirksam ist,  oder, wenn vorhanden, mit einem Dampfreiniger.
  6. Trockne alle Gegenstände und Oberflächen nach der Reinigung gründlich ab.
  7. Wasche dir nach dem Kontakt zu deinem Hund gründlich die Hände.
  8. Schütze das Futter und die Näpfe deiner Fellnase vor Fliegen, da die Zweiflügler die Parasiten weiter verbreiten können.
  9. Sammle den Kot deines Vierbeiners sofort auf und entsorge ihn in einem fest verschlossenen Plastikbeutel im Hausmüll.
  10. Entferne Kotreste am Hinterteil deines Hundes sofort.
  11. Vermeide es, dass dein Hund mit fremdem oder seinem eigenen Kot in Kontakt kommt.

 

Befinden sich mehrere Haustiere unter deinem Dach, gelten die genannten Maßnahmen ebenfalls für sie. Leben immungeschwächte Personen oder Kleinkinder in deinem Haushalt, solltet ihr zusätzlich unbedingt auf regelmäßiges Händewaschen und eine angemessene Desinfektion nach einem Kontakt mit infizierten Tieren achten. 

Vermeide zudem während der Zeit der Behandlung Kontakt mit anderen Hunden und besuche keine Hundewiesen oder deine Hundeschule; nur so kannst du weiteren Ansteckungen vorbeugen.

Ernährung

Zusätzlich zur medikamentösen Therapie ist es ratsam, die Fütterung deines Vierbeiners zu prüfen und gegebenenfalls anzupassen:

Achtung: Beachte, dass eine entsprechend angepasste Fütterung nur ergänzend wirksam sein kann. Die medikamentöse Therapie kann sie nicht ersetzen. Lass dich am besten von deinem Tierarzt über die geeignete Fütterung beraten.

Sind Giardien ansteckend für Menschen?

Hand-berührt-Kopf-eines-Hundes

Eine Übertragung von Giardien auf den Menschen ist zwar möglich, aber eher unwahrscheinlich:

Vorsicht: Bist du gesund und steckst dich mit Giardien an, ist das bis auf den nicht immer eintretenden Durchfall meist nicht sonderlich gefährlich. Bei kranken Menschen oder Kleinkindern kann ein Befall und der dadurch entstehende heftige Durchfall allerdings ernsthafte Konsequenzen für die Darmgesundheit mit sich bringen.

Was kann futalis bei einem Giardienbefall deines Hundes für dich tun?

Durch die bedarfsangepassten Rationen haben wir die Möglichkeit, die Fütterung deines Hundes ganz individuell auf ihn und seinen Nährstoffbedarf abzustimmen. 

Insbesondere beim Giardienbefall achten wir auf eine leicht verdauliche Zusammensetzung, um den Darm zu entlasten. Gleichzeitig senken wir die Kohlenhydratzufuhr moderat, damit sich die Giardien nicht so schnell vermehren können.

Johanna Klickermann

Autorin Tierärztin Johanna Klickermann

Unsere Autorin Johanna Klickermann ist Tierärztin mit Leib und Seele. futalis profitiert von ihrer langjährigen Erfahrung mit Hundeerkrankungen und Ernährungsfragen aus der Kleintierpraxis sowie ihrem Wissen aus zahlreichen Fortbildungen. Erfahre mehr über unsere Autorin!

„Es gibt häufig die Empfehlung, möglichst kohlenhydratarmes Futter zu füttern, da sich Giardien hauptsächlich von Kohlenhydraten ernähren und sich so besser vermehren könnten. Dies sollte allerdings maßvoll geschehen, da sonst der Fett- und Proteingehalt im Futter zu stark ansteigen, was den angeschlagenen Darm deines Hundes zusätzlich belasten könnte.“ – Johanna Klickermann –

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